Studienergebnisse · Magnetfeldtherapie

Neue Studie: BEMER® Horse Set Wirkung im Fokus

Key Point Summary

  • Das Horse Set erzeugt bei normalen Umgebungsbedingungen und richtiger Anwendung keine gefährlichen Erwärmungen.
  • Eine erhöhte Durchblutung zeigt sich thermografisch an Rumpf und Hals mit einem zeitlichen Versatz des höchsten Wertes zum Programmende von ca. 15 min.
  • Eine erhöhte Durchblutung der Beine zeigt sich im Wärmebild nur an tatsächlich behandelten Beinen.

Einführung in die Animal Line.

Das BEMER® Horse Set als Kernelement der Animal Line ist ein System, das speziell für die Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens von Pferden konzipiert wurde. Es basiert auf der proprietären Bio-Electro-Magnetic-Energy-Regulation-Technologie und nutzt ein pulsierendes elektromagnetisches Feld (PEMF) zur Signalübertragung. Die dabei übertragene Vet-Pulsform basiert auf der Human-Pulsform [4] und ist in drei Intensitätsstufen verfügbar. Die verwendeten Flussdichten betragen bis zu 100 µT – ungefähr das Doppelte des Erdmagnetfelds – bei einer Trägerfrequenz unter 30 Hz [1]. In diesem Frequenzbereich ist Gewebe praktisch durchlässig für elektromagnetische Wellen [2], sodass die Behandlung auf höheren Intensitätsstufen auch das Knochengewebe erreichen kann [3].

Schematische Darstellung der Applikatoren des BEMER® Horse Sets und der Spulenpositionen
Abb. 1: Schematische Darstellung der Animal Line

Die Technologie soll neben einer verbesserten Entspannung und höheren Leistungsfähigkeit auch hilfreich für die körpereigene Heilung, Regenerationsfähigkeit und Widerstandskraft sein [6]. Dabei soll es drei konkrete Wirkweisen geben:

  1. Die Pumpbewegung von kleinen Blutgefäßen – die sogenannte Vasomotion – wird angeregt. Dabei werden auch in den nicht direkt behandelten Gewebebereichen die Stoffwechselvorgänge angeregt. Über eine verbesserte Mikrozirkulation wird der Austausch von Nährstoffen und Sauerstoff zwischen Blut und Gewebe gefördert und die Bildung neuer Blutgefäße unterstützt [1][4][5].
  2. Der Ionenaustausch wird direkt angeregt, was die Mineralisation des Bindegewebes begünstigt. Dies ist besonders wichtig für den Knochenstoffwechsel, der eng mit der Knorpelbildung und der Frakturheilung verbunden ist [7].
  3. Die pulsierenden elektromagnetischen Felder unterstützen die Kompensation von fehlender funktioneller Beanspruchung des Gewebes. Diese Kompensation trägt zur Erhaltung und Verbesserung der Gewebefunktion bei, insbesondere bei eingeschränkter Mobilität oder nach Verletzungen [4].

Die Animal Line besteht aus verschiedenen Komponenten. Eine Steuereinheit auf jedem Applikator regelt die Intensität und Dauer der Anwendung.

  • Pferdedecke: Ergonomisch geformt, für Pferde verschiedener Größen geeignet und mit 19 speziellen Spulen (4 im Schulterbereich, 10 an Rücken und Flanken, 5 im Bereich der Hinterhand) ausgestattet. Es werden Flussdichten bis 35 µT (P3), 30 µT (P2) bzw. 20 µT (P1) erreicht. [9][16]
  • Beinmanschetten: Zwei Manschetten mit je 3 Spulen (2 auf der Innenseite, 1 vorne) zur gezielten Behandlung der Beine, mit abnehmbaren Einlagen zur einfachen Reinigung. Maximale Flussdichte je 100 µT (P3), 80 µT (P2) bzw. 50 µT (P1). [10][16]
  • Halsapplikator (gegen Aufpreis): Mit 12 Spulen (4 oben entlang der Wirbelsäule, je 4 links und rechts) und Flussdichten bis 100 µT speziell für die Hals- und Nackenregion. [11]
  • Zubehör: Tragetasche, Schweißdecke, Y-Adapter, Ladegerät und verstellbares Gurtsystem.

Zum Zeitpunkt der Studien im Q1 2024 liegt das Horse Set bei einem Preis von 4150 € zzgl. 2190 € für den Halsapplikator. [12]

Als Kontraindikationen für eine Nutzung sind allgemein immunsystemunterdrückende Medikamente oder Therapien, Fieber, akute Infektionen, schwere Herzrhythmusstörungen, Tumorerkrankungen sowie Schwangerschaften zu betrachten. [7] Die Nutzung in zeitlicher Nähe zu einem Turnier ist laut Anhang IV der Anti-Doping- und Medikamentenkontroll-Regeln der FN zugelassen. [8]

Bisherige Studien zur Wirksamkeit.

Die Beliebtheit des BEMER® Horse Sets ist in vielen Reitgemeinschaften weltweit spürbar. Pferdebesitzer wie professionelle Trainer berichten häufig über positive Effekte wie verbesserte Regeneration nach intensivem Training, gesteigerte Leistungsfähigkeit und ein insgesamt verbessertes Wohlbefinden der Tiere. Uns sind aktuell drei veröffentlichte, wissenschaftliche Studien bekannt, welche sich mit der Wirkungsweise der BEMER®-Technologie bei Pferden befassen:

  • Brandenberger et al. (2021)Effect of Bio-Electro-Magnetic-Energy-Regulation (Bemer)-Horse Therapy on Cardiopulmonary Function and Recovery Quality after Isofluran Anesthesia in 100 Horses Subjected to Pars-Plana Vitrectomy: Die Studie untersuchte, wie die BEMER®-Decke die Herz-Lungen-Funktion und die Erholungsqualität von Pferden beeinflusst, die sich einer Augenoperation unterzogen haben. Die Pferde, die die Decke verwendeten, erholten sich schlechter von der Operation als die Pferde mit Placebo-Decke. Es gab jedoch keinen signifikanten Unterschied in Blutdruck und Laktatwerten zwischen den beiden Gruppen. [12]
  • Dai et al. (2022)Effects of BEMER® physical vascular therapy in horses under training. A randomized, controlled double blind study: Die Studie untersuchte die Auswirkungen der BEMER®-Therapie auf trainierende Pferde. Pferde mit Therapie waren möglicherweise entspannter; es gab jedoch keinen signifikanten Unterschied in der Erholungsrate nach der Bewegung. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Gesamtwirkung zu bestimmen. [13]
  • King et al. (2022)Effects of a Bio-Electromagnetic Energy Regulation Blanket on Thoracolumbar Epaxial Muscle Pain in Horses: Die Studie untersuchte die Auswirkungen der Decke auf Rückenschmerzen bei Pferden. Die Decke trug dazu bei, Schmerzen zu lindern, die Stabilität der Pferde zu verbessern und die Flexibilität der Wirbelsäule zu erhöhen. Die Studie schlug vor, dass diese Technologie eine nicht-medikamentöse Lösung für Rückenschmerzen bei Pferden sein könnte. [14]

Thermografische Untersuchung der Wirkung des BEMER® Horse Set.

Angesichts der wenigen öffentlichen Studien und der wachsenden Bedeutung der Gesundheit von Pferden haben wir eine eigene unabhängige Untersuchung durchgeführt, um die Wirkung des Horse Sets genauer zu erforschen. Im Fokus stand die Frage, ob und wie die Anwendung der BEMER®-Therapie die Durchblutung der Pferde beeinflusst. Warum sich eine veränderte Durchblutung überhaupt als Temperaturmuster an der Hautoberfläche zeigt, erklären wir in den Grundlagen der Pferdethermografie. Dazu haben wir in Zusammenarbeit mit Alex Doman Sportpferdetherapie bei Pferden vier thermografische Untersuchungen in Ruhe durchgeführt:

  1. Vor der Behandlung
  2. Nachdem die Applikatoren 15 min. ausgeschaltet am Pferd angelegen waren
  3. Direkt nach der Anwendung
  4. Nach der Anwendung

Bei unserer Studie konnten wir erkennen, dass das atmungsaktive Design der Pferdedecke gut ausgeführt ist. So zeigte sich in den 15 min. (entsprechend der Länge der Behandlung mit Programm 3), in denen die Decke ausgeschaltet auf dem Pferd lag, praktisch keine Erwärmung. Im Betrieb konnten wir auch an den eingenähten Spulen nur minimale Wärmesignaturen aufnehmen, die weit unter der für die Haut spürbaren Temperaturänderung lagen. Gleiches gilt für den Controller mit der Leistungselektronik. Von der Decke geht somit bei normalen klimatischen Bedingungen und richtiger Anwendung kein thermisches Risiko aus.

BEMER Decke während der Behandlung auf dem Pferd
Abb. 2: Decke bei der Behandlung
BEMER Decke nach der Behandlung im Wärmebild zeigt die eingenähten Spulen
Abb. 3: Decke nach der Behandlung

Interessanterweise war direkt nach der Behandlung auch praktisch kein Unterschied in der Wärmeverteilung an der Körperoberfläche zu sehen. Die gemessene mittlere Temperaturerhöhung von 0,5 °C lag trotz Kalibrierung der Messungen nur knapp über der Genauigkeit unserer Wärmebildkamera.

Wärmebild vor der Behandlung
Abb. 4: Vor der Behandlung
Wärmebild direkt nach der Behandlung
Abb. 5: Direkt nach der Behandlung

Anders sah das Bild dann 10 bis 15 Minuten später aus: Hier konnten wir nach einer einmaligen Anwendung des Programms 3 je nach Pferd, Tag und Umgebungstemperatur eine maximale Erhöhung der Rumpfoberflächentemperatur zwischen 1 und 4 °C feststellen. Im Mittel lag der Peak rund 3 °C vor dem Ausgangsniveau. Nach diesem Maximum fiel die Oberflächentemperatur langsam wieder ab, war aber auch nach einer Stunde noch über dem ursprünglichen Temperaturniveau. Einen typischen Verlauf zeigt das folgende Diagramm:

Verlauf der Oberflächentemperatur beim Pferd nach der Magnetfeldtherapie
Abb. 6: Ein typischer Temperaturverlauf während der Behandlung

Bei unserem Testpferd war der Effekt im Bereich von Schulter und Flanke am stärksten ausgeprägt, wenn auch nicht bei jeder Behandlung gleich. Obwohl wir keinen Halsapplikator einsetzen, war auch am Hals eine Temperaturerhöhung zu erkennen. Beine, die nicht therapiert wurden, blieben in der Temperatur relativ stabil, während wir an behandelten Beinen einen Temperaturanstieg von 0,9 °C feststellen konnten. Zur Veranschaulichung haben wir eine exemplarische Aufnahmesequenz ausgewählt:

Erhöhte Durchblutung 15 Minuten nach der Behandlung
Abb. 7: 15 min. nach der Behandlung
Vergleich der Wirksamkeit der BEMER Behandlung an den Beinen
Abb. 8: Rechts behandelt (nach 15 min.), links unbehandelt

Zwar können wir mit einer Thermografie technisch nicht zwischen genereller Durchblutung und Mikrozirkulation unterscheiden und auch keine Änderungen in Knochen oder Knorpelgewebe abbilden (mehr dazu unter Möglichkeiten & Grenzen); unsere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die BEMER®-Gefäßtherapie effektiv eine positive Auswirkung auf die Durchblutung (Wirkweise 1) des Pferdes hat. Die Wirkung der Magnetfeldtherapie setzt oberflächlich erst mit Zeitversatz nach der Behandlung ein. Da die Wirkung noch über 12 Stunden nach der Therapie sichtbar sein kann, führen wir reguläre Pferdethermografien nur mit mindestens 24 h Karenzzeit nach einer Anwendung durch. [15]

Anwendungsempfehlung.

Das BEMER® Horse Set arbeitet mit drei voreingestellten Programmen, die sich in Behandlungsdauer und Intensität unterscheiden:

  • Programm P1 (5 Minuten): Einstiegsprogramm mit niedriger Intensität für Pferde, die neu an die Therapie herangeführt werden.
  • Programm P2 (10 Minuten): Erweitertes Programm für eine intensivere Durchblutungsförderung; Fokus auf Regeneration.
  • Programm P3 (15 Minuten): Gezielte, stärkere Stimulationen bei spezifischen Beschwerden (z. B. Muskelverspannungen oder leichten Verletzungen); besonders hohe Eindringtiefe in das Gewebe.

Neue Anwender sollten mit Programm P1 einsteigen und das Pferd erst an die PEMF-Therapie gewöhnen. Die meisten Anwender können nach ca. einer Woche mit täglicher Behandlung in das Programm P2 wechseln. Das Pferd sollte immer eine verbesserte Entspannung, erhöhte Vitalität und ein insgesamt ruhigeres Verhalten zeigen; bei negativen Reaktionen sollte entweder in ein niedrigeres Programm gewechselt oder der Tierarzt bzw. der Pferdetherapeut des Vertrauens befragt werden.

Neben dem passenden Programm ist auch der richtige Zeitpunkt entscheidend: Eine Behandlung vor dem Training regt die Mikrozirkulation an und bereitet das Gewebe optimal auf die Belastung vor, wodurch das Verletzungsrisiko verringert wird. Nach intensiven Belastungen oder Wettkämpfen unterstützt vor allem Programm P2 den Regenerationsprozess, da die gesteigerte Durchblutung den Abtransport von Stoffwechselprodukten beschleunigt. Auch an trainingsfreien Tagen kann eine prophylaktische Anwendung chronischen Verspannungen und leichten Durchblutungsstörungen vorbeugen.

Wichtig für den Behandlungserfolg ist zudem eine ruhige, störungsfreie Umgebung, damit sich das Pferd voll entspannen kann. Ergänzend können physiotherapeutische Maßnahmen, gezielte Dehnübungen, eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Hydration den positiven Effekt ganzheitlich unterstützen. Regelmäßige Gesundheitschecks durch den Tierarzt oder einen erfahrenen Pferdetherapeuten helfen, den individuellen Bedarf frühzeitig zu erkennen und die Therapie anzupassen.

Erklärung zu Interessenkonflikten.

Die vorliegende Untersuchung wurde weder direkt noch indirekt von der Bemer Int. AG oder deren Tochtergesellschaften finanziert oder beauftragt. Es besteht keinerlei Verbindung zwischen den Autoren dieser Studie und der Bemer Int. AG. Das BEMER® Horse Set wurde dankenswerterweise von Alex Doman Sportpferdetherapie kostenfrei bereitgestellt.

Wir sind ein kleines Familienunternehmen mit einem Fokus auf fotografischen Dienstleistungen rund um das Pferd. Neben der Pferdefotografie führen wir vor allem professionelle Pferdethermografien mobil in ganz Bayern durch und forschen selbst aktiv in diesem Bereich. Mehr über uns.

Quellen & Belege

Quellenverzeichnis.

  1. BEMER Group – Animal Line, Wissenschaft & Anwendung. bemergroup.com
  2. EMF-Portal – Wirkungen niederfrequenter Felder. emf-portal.org
  3. energy4u – Sport-FAQ (PDF). energy4u.ch
  4. Patentschrift WO 2018/095590 A1 – Vet-Pulsform. depatisnet.dpma.de
  5. Gesundheits-Lexikon – Physikalische Gefäßtherapie BEMER. gesundheits-lexikon.com
  6. BEMER Group – Animal Line, Anwendungsbereiche. bemergroup.com
  7. Gebrauchsmusterschrift DE 20 2016 008 331 U1. patentimages.googleapis.com
  8. Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) – Merkblatt (PDF). pferd-aktuell.de
  9. BEMER Group – Horse Set, Pferdedecke. bemergroup.com
  10. BEMER Group – Horse Set, Gamaschen. bemergroup.com
  11. BEMER Group – Horse Set, Hals-Applikator. bemergroup.com
  12. BEMER Group – Horse Set, Shop/Preise. shop.bemergroup.com
  13. Pilger et al. (2022): PEMF-Studie, Research in Veterinary Science. doi.org/10.1016/j.rvsc.2022.01.017
  14. Zugehörige Publikation in PubMed. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  15. NewMed – BEMER-Therapie (Anwenderbericht). newmed.hu
  16. The Horse’s Back – BEMER Tech Specs. thehorsesback.com
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